Blickpunkt Keine Kontrolle um jeden Preis Die Tarif- und Beförderungsbedingun- gen gelten weiterhin wie bisher und die Fahrkartenkontrolle bleibt ebenso selbst- verständlich wie die Ausweiskontrolle bei personalisiertem Ticket. Aber seit 1. März liegt es im Ermessen des Kontrollperso- nals, ob Fahrgäste mit personalisierten Tickets einen Ausweis vorzeigen müssen oder nicht: Angesichts einer wachsenden Zahl von Übergriffen soll der erweiterte Handlungsspielraum gewährleisten, dass sich Mitarbeitende bewusst aus Gefahren- situationen zurückziehen können. Voraus- setzung für den Verzicht auf Prüfung ist eine potenziell gefährliche Situation. Ausweiskontrollen sind vor allem erforder- lich, um sicherzustellen, dass ein persönli- ches Ticket auch tatsächlich von der Person genutzt wird, für die es ausgestellt wurde. Ziel ist deshalb, die Ticketprüfung so wei- terzuentwickeln, dass sie sich einfacher, schneller und zugleich sicher durchführen lässt. Die Verkehrsministerkonferenz sieht das offensichtlich ebenso. Bei ihrem Tref- fen im März in Lindau sprach sie sich dafür aus, das Deutschlandticket fälschungssi- cherer und konfliktträchtige Ausweiskont- rollen im Nah- und Regionalverkehr damit weitgehend entbehrlich zu machen. „Kundenbeirat bringt Sicht der Fahrgäste ein“ Seit April dieses Jahres sind sie im Amt, Anfang Mai kamen die insge- samt 30 ehrenamtlichen Mitglieder des neuen DB Kundenbeirats erst- mals zusammen. Lisa Wildmann, Customer Experience Manager bei DB Fernverkehr, war begeistert: „Wir haben großartige Menschen für den DB Kundenbeirat gewonnen. Mehr Energie für die nächsten drei Jahre geht kaum. Danke an Euch für eure Offenheit, eure Motivation und euren An- spruch, Dinge wirklich zu verbessern und die Perspektive der Fahrgäste zu vertreten“, schilderte sie ihre Eindrücke von der konstituierenden Sit- zung in Frankfurt auf LinkedIn. Populäres Ehrenamt Er wird alle drei Jah- re neu besetzt, die Mitarbeit ist eh- renamtlich: Seit 2004 gibt es den DB Kundenbeirat, und seither kön- nen Fahrgäste mit Vorständen und Ma- nagern diskutieren, was aus ihrer Sicht gut oder ver- besserungswürdig ist, oder Im- pulse für laufende und geplante Projekte geben. Das Interesse ist groß: Über 4.000 Kund:innen hatten sich von Mitte De- zember 2025 bis Mitte Januar 2026 für einen der 20 neu zu vergeben- den Plätze im DB Kundenbeirat bewor- ben. Die insgesamt 30 Mitglieder repräsentieren alle wesentlichen Zielgruppen der Deutschen Bahn im Regional- und Fernverkehr. Kundenperspektive schärft den Blick Für Alexander Quirin, der die konstituierende Sitzung des Kundenbeirats für DB Regio begleitete, ist das Gremium auch deshalb „eine große Chan- ce, weil wir hier sehr direkt die Perspektive unserer Fahrgäste kennenler- nen. Die Mitglieder sprechen Probleme offen an und bringen konstruk- tiv die Fahrgast-Perspektive ein. Genau das hilft uns, Themen besser zu verstehen und neu zu betrachten.“ Das hätten gerade auch die intensiven Diskussionen im Workshop „Sicherheit für Mitarbeitende und Kunden“ gezeigt, in denen es unter anderem darum gegangen sei, wie Fahrgäste in schwierigen Situationen unterstützt und eingebunden werden können. Fahrgäste sehen sich als Teil der Sicherheit im Zug „Unsere Fahrgäste sehen sich als Teil der Sicherheit im Zug. Sie fragen sich, was sie tun können, und wüssten gerne, was schon gemacht wird, um sich entsprechend verhalten zu können. Deshalb wünschen sie sich Maßnahmen, die ihnen das ermöglichen. Als Beispiel wurden QR-Codes genannt, über die Vorfälle gemeldet werden können“, berichtet er aus dem zusammen mit André Collin, Senior Manager Zentrales Securitymanage- ment, veranstalteten Workshop. Neue Erkenntnisse nahmen aber auch die frischgebackenen Kundenbeirät:innen mit nach Hause. „Aus dem Si- cherheitsworkshop habe ich das Resümee gezogen, dass Polizei, Bundes- polizei, Landespolizei und Deutsche Bahn Hand in Hand zusammenar- beiten müssen, viele Möglichkeiten aus gesetzlichen Gründen aber nicht nutzen können.“ Es sei „hart“, dass mitunter so viel Zeit vergehe, um die erforderlichen rechtlichen Grundlagen dafür zu schaffen, berichtet Julia- ne. Björn, wie Juliane Mitglied im Kundenbeirat, erging es ähnlich: „Das Thema Sicherheit ist wesentlich komplexer, als man zunächst annimmt. Für mich gilt der Grundsatz: Allgemeinwohl steht vor Einzelwohl. Von daher müssen wir gemeinschaftlich eine Lösung finden.“ Regio Aktuell 2 | Juni 2026 5