Nachgefragt bekommen. Gleichzeitig ist es sehr zielgerichtet – wobei sich Ziele im Prozess auch verändern können. Meist umfasst ein Coaching – Online oder in Präsenz - acht bis zehn Termine. Die Resilienztrainings hingegen sind Workshops, die ich auch online anbiete. Mit welchen Themen kommen Menschen zu Ihnen? Mit welchen Themen kommen Menschen zu Ihnen? Das ist sehr unterschiedlich. Viele stehen an einem Punkt, an dem sie nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll. Sie fragen sich: War das schon alles? Was macht mich eigentlich aus? Wohin will ich? Was ist meine Leidenschaft? Andere kommen wegen beruflicher Neuorientierung oder weil sie merken, dass sie ausgebrannt sind. Auch familiäre Themen spielen eine Rolle. Manche stellen fest, dass sie in Beziehungen immer wieder in dieselben Muster geraten – etwa mit der Mutter, dem Partner oder anderen nahestehen- den Menschen – und möchten verstehen, warum, und wie sie das verändern können. Viele Menschen kommen zu mir, weil sie dauerhaft er- schöpft sind, kaum noch Freude empfinden oder nicht mehr zur Ruhe kommen. Gerade bei Sinnkrisen kann Coaching sehr hilfreich sein. WO LIEGT DEINE WO LIEGT DEINE SUPERPOWER? SUPERPOWER? Im Gespräch schauen wir dann unter anderem gemeinsam: Was sind eigentlich deine Stärken? Wo liegt deine „Super- power“? Was brauchst du, um gut arbeiten oder leben zu können? Das hilft beispielsweise auch bei beruflichen Entscheidungen. Teilweise gehört dazu Biografiearbeit. Bei Pflegeeltern kann schon der Moment, in dem ein Pflegekind in die Familie kommt, ein großer Umbruch sein. Das gesamte Familiensystem verändert sich. In Pflegefamilien gibt es häufig dauerhafte In Pflegefamilien gibt es häufig dauerhafte Belastungssituationen. Viele Pflegepersonen halten lange Belastungssituationen. Viele Pflegepersonen halten lange durch, bis sie selbst immer erschöpfter werden. durch, bis sie selbst immer erschöpfter werden. Was kann man da tun? Was kann man da tun? Ich möchte zunächst eine Lanze für Selbstfürsorge brechen. Ein zentraler Satz ist: „Du bist der wichtigste Mensch in dei- nem Leben.“ Das klingt für manche egoistisch, ist aber über- haupt nicht so gemeint. Es geht nicht darum, rücksichtslos zu sein, sondern zu verstehen: Ich kann nur dann gut für andere da sein, wenn ich auch für mich selbst sorge. Das ist wie die Sauerstoffmaske im Flugzeug. Es ist niemandem gedient, wenn wir atemlos und ausgepowert am Boden liegen. Pflegefamilien leisten unglaublich viel. Es geht um Traumatisierungen, Loyalitätskonflikte, Kontakte zu Eltern, Behörden, hohe Erwartungen und oft auch um schwierige Alltagssituationen. Selbstfürsorge ist deshalb kein „Nice to have“, sondern eine Voraussetzung dafür, diese Aufgabe lang- fristig tragen zu können. Wenn ich dauerhaft keine Pausen mache und mich völlig verausgabe, funktioniere ich vielleicht kurzfristig – lang- fristig breche ich jedoch weg. Gut für sich selbst zu sorgen, hilft auch dabei, geduldiger miteinander zu sein, Konflikte weniger eskalieren zu lassen und zwischendurch innerlich einen Schritt zurückzutreten, um wieder den Überblick zu bekommen und kluge Entscheidungen zu treffen. Wie beginnt Selbstfürsorge im Alltag? Wie beginnt Selbstfürsorge im Alltag? Ein wichtiger erster Schritt ist Selbstwahrnehmung. Dafür gibt es den Begriff Interozeption. Gemeint ist die Fähigkeit wahrzunehmen, was in mir passiert. Wie geht es mir körper- lich? Bin ich zum Beispiel müde, hungrig oder angespannt? Wie geht es mir emotional? Bin ich traurig, gereizt oder über- fordert? Und wie geht es mir mental? Habe ich ständig offene Gedanken im Kopf? Wenn unser Kopf permanent „mitläuft“, kostet das viel Energie. Diese Energie fehlt uns später – für Partnerschaft, Kinder oder die eigene Regulationsfähigkeit. Und unser Gehirn braucht neurophysiologisch schlicht Energie, um funktionieren zu können. Wenn diese den gan- zen Tag aufgebraucht wird, ist es auch verständlich, dass man abends noch zur Schokolade oder zum Bier greift. Dann fehlt schlicht die Kapazität, uns zu regulieren und gute Entschei- dungen zu treffen. Viele Menschen verlieren im Alltag den Kontakt zu sich selbst. Sie merken erst spät, dass sie hungrig sind, seit Stun- den nicht auf Toilette waren oder völlig überreizt sind. Dabei brauchen wir als Menschen all das als Basis: Nahrung, Schlaf, Ruhe, Bewegung und Pausen. ICH KANN NUR ICH KANN NUR VERÄNDERN, WAS ICH VERÄNDERN, WAS ICH WAHRNEHME WAHRNEHME Ich kann nur verändern, was ich wahrnehme. Deshalb hilft es, sich immer wieder kurz zu fragen: Wie geht es mir gerade? Was brauche ich jetzt? In Coachings merke ich häufig, wie schwer es vielen Menschen fällt, gut für sich zu sorgen. Dahinter stehen oft Glaubenssätze aus der Kindheit wie: „Nimm dich nicht so wichtig“ oder „Reiß dich zusammen“. Wichtig ist deshalb auch Selbstmitgefühl. Gerade Pflege- eltern stehen häufig unter besonderem Druck und haben das Gefühl, bewertet zu werden. Hilfreich kann die Frage sein: Was würde ich meiner besten Freundin oder meinem besten Freund raten, wenn sie oder er in meiner Situation wäre? Meist gehen wir mit anderen viel freundlicher um als mit uns selbst. Sich vom eigenen Anspruch verabschieden, perfekt sein zu wollen. Denn das ist niemand. Und dabei kann auch Humor helfen, selbst „Galgenhumor“: sich selbst und alles nicht so ernst zu nehmen. Im größten Pflegefamilien-Chaos kann La- chen über die Absurdität des Ganzen den Druck rausnehmen. Viele Familien haben kaum Zeit für große Auszeiten. Viele Familien haben kaum Zeit für große Auszeiten. Was hilft trotzdem? Was hilft trotzdem? ∙ 22 ∙ 3 2 1 r e t f r A D , k c o t S i : n e n o i t a r t s u l l I