Gibt es eine Eigenheit, die Sie als Ihre Arbeitsphilosophie bezeichnen würden? Was zeichnet Ihren Umgang mit Menschen und Herausforderungen aus? unserem Außendienst Zeit frei für persönliche Kundenbeziehungen und gemeinsame Projekte. Beides zahlt dann auf eine höhere Servicequalität ein, die unseren Kunden zugutekommt. Der Begriff Arbeitsphilosophie ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen. Ich denke, dass ich generell eher ein rationaler als ein emotionaler Mensch bin. Entsprechend ruhig begegne ich Herausforderungen. Ich schätze partnerschaftliche Zusammenarbeit, lege Wert auf Fairness und bringe meinen Mitmenschen die gebührende Wertschätzung entgegen. Mir ist auch wichtig, dass der Spaß bei unserer Arbeit nicht zu kurz kommt – ohne dabei die Ernsthaftigkeit unserer Aufgaben aus dem Blick zu verlieren. Sicher haben Sie in den vergangenen Monaten ein klares Bild entwickelt, in welche Richtung sich das Unternehmen entwickeln sollte, welche Ziele im Fokus stehen und welcher Pfad zum Ziel verfolgt werden muss. Können Sie uns Einblick in Ihre Vision geben? Natürlich kann ich bei einem Interview nicht alle Karten auf den Tisch legen. Ich möchte aber so viel verraten: Unser Ziel ist es, unsere Kunden über den gesamten Bauprozess zu begleiten. Der beginnt bei der Planung der Bauvorhaben und endet beim Rückbau am Ende des Lebenszyklus des Gebäudes und unserer Produkte. Wir wollen mehr sein als ein reiner Fabrikant, der Dämmstoffe produziert und verkauft. Vielmehr möchten wir das Leben unserer Kunden einfacher machen – zum Beispiel mit kompetenter Beratung, kompromissloser Qualität, einer reibungslosen Logistik und Angeboten für das Recycling unserer Produkte. Der Baustoffhandel ist und bleibt unser wichtigster Partner im Markt. Wie erleben Sie aktuell die Situation der Baubranche? Was macht Ihnen Sorgen? Und was gibt Anlass zur Hoffnung? Ich denke, niemand kann mit der aktuellen Situation der Branche zufrieden sein. Ich hoffe jedoch, dass wir die Talsohle endlich erreicht haben und bald wieder ein Wachstum sehen werden, das zwar zunächst nicht spektakulär, aber zumindest anhaltend sein wird. Erste positive Signale waren die im ersten Halbjahr gestiegenen Baugenehmigungen und die sehr deutlich gestiegene Anzahl an Förderanträgen. (siehe Marktanalyse auf Seite 10) Wir wissen alle, dass in Deutschland zu wenig gebaut und modernisiert wird. Und die Nachfrage nach Wohnraum kann nicht wegdiskutiert oder per Gesetz beseitigt werden. Hinter jeder zu wenig gebauten Wohnung steht ein Mensch oder eine ganze Familie, die keinen bezahlbaren Wohnraum findet. Daher denke ich, dass unsere Branche im nächsten Jahr neuen Schwung bekommen wird – sei es mit oder ohne substanzielle Unterstützung der Politik, die eigentlich ganz akut handeln müsste. Ohne Baugewerbe gibt es keinen Wohnbau, keinen bezahlbaren Wohnraum, keine effizienten Gebäude und somit auch kein Erreichen der Klimaziele. Wo sehen Sie in der aktuellen Gemengelage – zwischen Wärmewende, volatilen Energiepreisen, unzureichendem Wirtschaftswachstum und Investitionszurückhaltung der Verbraucher – zukünftig Chancen für Baustoffindustrie, Handel Welche Rolle werden in Zukunft die etablierten Kunden- und Handwerk? beziehungen spielen – insbesondere zum Fachhandel? Der Baustoffhandel ist und bleibt unser wichtigster Partner im Markt. Mit ihm pflegen wir die engste Beziehung und mit ihm wollen wir die Zusammenarbeit weiter erfolgreich ausbauen. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Was sind Ihrer Ansicht nach die wichtigsten ersten Schritte zur Erreichung Ihrer Ziele? Worauf konzentrieren Sie sich aktuell besonders? Obwohl wir bereits einen breit aufgestellten Außendienst haben, ist eines unserer zentralen Vorhaben, noch mehr Zeit in die direkten Kundenbeziehungen, die Präsenz im Markt und unsere Erreichbarkeit für die Anliegen unserer Kunden zu investieren. So paradox es klingt: Der Schlüssel dafür ist der erfolgreiche Ausbau praxisorientierter, digitaler Angebote für Fachhändler, Handwerker und Planer. Diese können beispielsweise dort zum Einsatz kommen, wo vielleicht bisher unsere Gebietsverkaufsleiter eine Information einholen, eine Frage beantworten oder eine Berechnung erstellen lassen mussten. Wenn digitale Tools unseren Kunden unkompliziert und schnell Lösungen bieten, wird bei Ohne Baugewerbe gibt es keinen Wohnbau, keinen bezahlbaren Wohnraum, keine effizienten Gebäude und somit auch kein Erreichen der Klimaziele. Die Baubranche ist der entscheidende Erfolgsfaktor für viele gesellschaftliche Aufgaben und Vorhaben. Gleichzeitig lässt sich das Handwerk auch nicht einfach durch technische Innovationen ersetzen. 3D-gedruckte Gebäude und Fliesen legende Roboter mögen vielleicht spannende Zukunftsvisionen sein, aber hier und jetzt benötigen wir gut ausgebildete, engagierte Menschen, die ihre Ärmel hochkrempeln und anpacken können. Daher sind die Chancen der gesamten Branche meiner Ansicht nach groß und vielfältig – auch in der Zukunft. Und was können Kunden im Jahr 2026 von Knauf Insulation erwarten? Verlässlichkeit, persönliche Kundenbetreuung, innovative, hochwertige und nachhaltige Produkte und Services – und nicht zuletzt leidenschaftlichen Einsatz für den gemeinsamen Erfolg. Vielen Dank, Herr Nötzel. Interview 15